Wer die Côte d’Azur kennt, denkt oft zuerst an Saint-Tropez, Nizza oder Cannes. Doch nur wenige wissen, dass sich nur wenige Kilometer landeinwärts zwei Orte verbergen, die auf ihre ganz eigene Weise verzaubern: Grimaud und Port Grimaud.
Das eine ist ein mittelalterliches Dorf mit einer Burg, die Geschichten flüstert, und Gassen, die den Sommerduft von Lavendel und Rosmarin tragen. Das andere ist eine Lagunenstadt aus den 1960er Jahren, die mutig geplant und visionär gebaut wurde und liebevoll als das „kleine Venedig der Provence“ bekannt ist.
Hier fließen Geschichte und Gegenwart ineinander. Von der Burgruine in Grimaud aus blickt man auf die rotgedeckten Dächer von Port Grimaud, die zwischen den Lagunen zu glitzern scheinen – als hätte jemand ein Stück Italien in die Côte d’Azur eingeflochten.
In diesem Beitrag nehmen wir Sie mit auf eine Reise durch zwei Orte, die nicht unterschiedlicher und nicht schöner sein könnten. Zwischen Kopfsteinpflaster und Kanälen, Weitblick und Wasserwegen, Mittelalter und Moderne.

Unsere Tipps für Grimaud im Überblick
Grimaud
- Geschichte
- Sehenswürdigkeiten: Kirche Saint-Michel | Point des Fées | Kapelle Saint-Roch | Rue des Templiers | Kunstzentum Maison des Arcades
- Märkte und Kulinarik
- Natur, Wein und Oliven
- Strände & Küste: Plage des Cigales | Plage de Port Grimaud | Versteckte Buchten
Port Grimaud
- Geschichte & Architektonik der Lagunenstadt
- Tipps & Sehenswürdigkeiten: Bootstour entlang der Kanäle | Kirche Saint-François d’Assise | Tour des Célibataires | Rue du Septentrion | Wohnhaus von François Spoerry
- Märkte und Kulinarik: Märkte (Do & So), Nachtmärkte & Restaurant-Tipps
- Strände
Grimaud: Mittelalterliche Schönheit oberhalb des Golfs von Saint-Tropez
Grimaud liegt auf einem Hügel oberhalb des Golfs von Saint-Tropez und ist weit mehr als nur ein hübsches Dorf mit Aussicht. Die Ursprünge des Ortes reichen bis ins Mittelalter zurück.
Eingebettet zwischen Land und Meer entfaltet es vor allem im Sommer seinen ganzen Charme: Zikaden singen unter dem azurblauen Himmel, der Duft von Rosmarin, Thymian und Pinien liegt in der Luft. Die engen, mit Kopfstein gepflasterten Gassen sind gesäumt von steinernen Häusern mit bunten Fensterläden und üppig blühenden Bougainvilleen.

Sehenswürdigkeiten in Grimaud
Die Burg von Grimaud
Hoch über dem mittelalterlichen Dorf thront die Burg von Grimaud, deren Ursprünge bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. Was einst als strategische Festung errichtet wurde, diente über die Jahrhunderte verschiedenen Zwecken: Schutz vor Angriffen, repräsentatives Wohnsitz der Adelsfamilie von Castellane und schließlich – im 17. Jahrhundert – Schauplatz glanzvoller Empfänge.
Nach der Französischen Revolution verfiel die Anlage jedoch zunehmend. Teile der Mauern wurden als Steinbruch genutzt, wertvolle Lavasteine und Serpentinit-Blöcke verkauft. Erst in den 1980er Jahren begann eine kontinuierliche Restaurierung, die das geschichtsträchtige Bauwerk vor dem endgültigen Verfall bewahrte. Heute gehört die Burg einem Nachfahren der Familie von Castellane, wird aber von der Gemeinde gepflegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Von der ursprünglichen Festungsanlage sind verschiedene Bereiche noch gut zu erkennen: der mächtige Bergfried, einst Aussichtsturm und später Zisterne, die ehemaligen Wohnräume sowie die Küche. Auch wenn keine historischen Pläne existieren, geben die erhaltenen Mauern und Türme einen Eindruck von der einstigen Größe der Burg.

Der Besuch lohnt sich nicht nur wegen der Historie: Von hier oben reicht der Blick weit über das Massif des Maures bis hinunter zur Bucht von Saint-Tropez – besonders in der goldenen Abendstimmung ein unvergessliches Erlebnis. Im Sommer verwandelt sich die Anlage in eine einzigartige Open-Air-Bühne. Das Musikfestival Les Grimaldines, Theateraufführungen und Konzerte unter freiem Himmel lassen die alten Mauern wieder lebendig werden.
Wer Grimaud besucht, sollte den Weg zur Burg unbedingt einplanen!
Ein Spaziergang durch das historische Dorf Grimaud an der Côte d’Azur lohnt sich nicht nur wegen der Burg, denn es warten zahlreiche Sehenswürdigkeiten, auch abseits der Burg. Dazu gehören die Kapelle Saint-Roch mit ihren restaurierten Wandmalereien, die Kapelle Notre-Dame de la Queste, die inmitten eines Eichenparks liegt, die Brücke Pont des Fées aus dem 16. Jahrhundert, die einst Teil der Wasserversorgung war, sowie die Windmühle Saint-Roch, die beim jährlichen Mühlenfest wieder zum Leben erweckt wird.
Von verschiedenen Punkten im Ort ergeben sich reizvolle Ausblicke auf die romanisch-provenzalische Kirche Saint-Michel, beispielsweise von der Burg, der Rue du Balladou oder dem Platz vor dem Rathaus, wo sich der Glockenturm malerisch vor den Bergen erhebt.
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Kirche Saint-Michel
Die im 12. Jahrhundert im romanisch-provenzalischen Stil errichtete Kirche Saint-Michel zählt zu den ältesten Sakralbauten im Golf von Saint-Tropez. Sie ist aus Granit und Kalkstein errichtet und ihre Größe zeugt von der einstigen Bedeutung Grimauds. Im Laufe der Jahrhunderte erhielt das Bauwerk Ergänzungen wie den markanten Glockenturm aus dem 16. Jahrhundert und eine Sakristei aus dem 18. Jahrhundert. Im Inneren finden sich Reste mittelalterlicher Fresken sowie moderne Kirchenfenster des Goldschmieds Jacques Gautier, die das Licht in warmen Farben brechen.

Seit 2015 sorgt eine von Pascal Quoirin gebaute Orgel für außergewöhnliche Klangerlebnisse, insbesondere bei den renommierten Konzerten der „Soirées Musicales de Grimaud”, die alljährlich hier stattfinden. Die Kirche ist somit nicht nur ein Ort der Andacht, sondern auch ein kultureller Treffpunkt mit einzigartiger Akustik und historischem Charme.
Pont des Fées – die Feenbrücke von Grimaud
Die Pont des Fées, zu Deutsch „Feenbrücke“, ist ein historisches Aquädukt aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Es versorgte einst die Stadt Grimaud mit Wasser. Malerisch über den Fluss La Garde gespannt, liegt sie eingebettet in die grüne Landschaft des Massif des Maures und ist der ideale Ausgangspunkt für einen Spaziergang in unberührter Natur. Der Weg dorthin führt nur wenige Minuten vom Ortskern entfernt in eine Welt aus schattigen Wäldern, mediterraner Flora und dem Rauschen des Wassers. Entlang des Pfads informieren Tafeln über die Tier- und Pflanzenwelt, darunter auch über die seltene Maurenschildkröte. Bereits 1927 wurde die Brücke als „sehenswerter Ort“ ausgezeichnet und verzaubert Besucher bis heute mit dem Zusammenspiel von Geschichte und Natur. Wer einmal hier war, versteht, warum dieser Ort seinen magischen Namen trägt.
Musée du Patrimoine:Das Heimatmuseum von Grimaud
Das Heimatmuseum von Grimaud entführt Besucher in das Alltagsleben vergangener Jahrhunderte. Untergebracht in einem Ensemble aus einem Dorfhaus, einer ehemaligen Schmiede und einer Ölmühle aus dem 16. Jahrhundert erzählt es anschaulich von traditionellen Berufen wie der Seidenraupenzucht, der Olivenölherstellung oder der Weinbereitung. Originalgetreu eingerichtete Räume wie Küche, Wohn- und Schlafzimmer lassen die Atmosphäre längst vergangener Tage lebendig werden. Die vielfältige Sammlung, das Ergebnis jahrzehntelanger Leidenschaft, zeigt unter anderem Objekte aus der Korkindustrie und der Waldnutzung im Massif des Maures. Für Familien werden spielerische Rundgänge angeboten, bei denen Kinder die Ausstellung auf eigene Faust entdecken können. Wer das Museum besucht, sollte anschließend noch Zeit für einen Spaziergang durch die historischen Gassen von Grimaud einplanen.
Windmühle Saint-Roch
Auf einer Anhöhe oberhalb von Grimaud thront die charmante Windmühle Saint-Roch aus dem 18. Jahrhundert und bietet einen grandiosen Blick über den Golf von Saint-Tropez. Ursprünglich war sie als „Moulin de la Gardiole“ bekannt, doch durch die nahegelegene Kapelle Saint-Roch erhielt sie ihren heutigen Namen. Jahrhundertelang mahlten hier Mühlsteine das Korn, angetrieben von den Segeltuchflügeln, bis der Betrieb Anfang des 20. Jahrhunderts eingestellt wurde.


Nach ihrer Restaurierung in den 1990er-Jahren ist die Mühle zwar nicht mehr funktionsfähig, vermittelt aber einen authentischen Eindruck vom traditionellen Müllerhandwerk. Dank ihres Standorts ist sie ein beliebtes Ziel für Spaziergänger, die historische Baukunst und Panoramaaussichten gleichermaßen schätzen. Besonders bei Sonnenuntergang entfaltet die Mühle ihren ganzen provenzalischen Charme.
Rue des Templiers
Die Rue des Templiers war einst die wichtigste Einkaufsstraße Grimauds. In den Arkadenhäusern aus dem 15. und 16. Jahrhundert boten Händler ihre Waren wettergeschützt an, während hier wohlhabende Familien residierten. Das ehemalige Gemeindehaus aus dem Jahr 1555 und weitere prächtige Gebäude zeugen von der glanzvollen Vergangenheit. Der Name „Straße der Tempelritter” beruht zwar auf einer Legende, geblieben ist er trotzdem. Heute reihen sich hier wieder kleine Läden und Galerien aneinander und schaffen so einen stimmungsvollen Mix aus Geschichte und Lebensart.
Maison des Arcades
Dieses eindrucksvolle Bürgerhaus aus dem 15. und 16. Jahrhundert prägt mit seinen Arkaden die Rue des Templiers. Früher residierten hier wohlhabende Familien und Händler boten in den Gewölben der Arkadenreihe ihre Waren wettergeschützt an. Seit 2018 ist das denkmalgeschützte Gebäude barrierefrei zugänglich und beherbergt Ausstellungen sowie das Kulturreferat der Stadt. Die prächtige Steintreppe und der große Kamin zeugen noch heute vom Reichtum vergangener Zeiten.
Märkte und Kulinarik
Donnerstags füllt sich der Ortskern mit dem provenzalischen Markt, auf dem regionale Produkte wie Olivenöl, Käse, Lavendelhonig und Wein den Besitzer wechseln. Im Sommer sorgen Festivals, Kunsthandwerkermärkte und Musikabende für mediterranes Flair.
Wein und Oliven von Grimaud
Rund um Grimaud breiten sich sanft geschwungene Weinberge und silbrig schimmernde Olivenhaine aus, die von traditionellen Trockensteinmauern eingerahmt werden. Mehrere Weingüter und eine Genossenschaftskellerei laden zu Führungen und Degustationen ein. Dabei können Sie die Vielfalt des Terroirs entdecken: von frischen Rosés über aromatische Rotweine bis hin zu eleganten Weißweinen. Auch das Olivenöl der Region gilt als eines der besten Frankreichs. Es wird ebenso wie die traditionellen Olivenseifen nach bewährten Methoden hergestellt und ist ein ideales Mitbringsel, das ein Stück mediterrane Kultur nach Hause bringt.
Strände & Küste von Grimaud
Nur wenige Minuten vom Ortskern liegen die Strände von Grimaud – acht an der Zahl, jeder mit eigenem Charakter:
- Plage des Cigales: Mit kleinem Privathafen und fotogenem Leuchtturm der vielleicht ikonischste Strand, ideal für Postkartenmotive.
- Plage de Port Grimaud: Direkt bei der Lagunenstadt gelegen, bietet er eine breite Palette an Wassersportmöglichkeiten – Segeln, Jetski, Stand-up-Paddling oder Parasailing.
- Versteckte Buchten: Manche Strände liegen abgeschirmt hinter Pinienhecken und laden zu ruhigen Stunden ein, andere bieten private Strandclubs und Restaurants, in denen man mit den Füßen im Sand speist.
Hier lassen sich Badeurlaub und Sightseeing perfekt verbinden: Vormittags kann man ins Meer springen und nachmittags durch Grimaud schlendern. Egal, ob Sie Sonnenanbeter, Wassersportfan oder Flaneur sind – die Küste von Grimaud bietet für jeden das passende Ambiente. Und das Beste: Von überall aus genießt man den Blick auf Saint-Tropez auf der gegenüberliegenden Seite des Golfs.
Port Grimaud: Das kleine Venedig der Provence
Pastellfarbene Häuser, rote Dachziegel, kleine Brücken und autofreie Gassen prägen das Bild: Port Grimaud ist zwar kein historisch gewachsener Ort, dennoch ist er ein kleines Wunder an Authentizität und Atmosphäre. Als der elsässische Architekt François Spoerry in den 1960er Jahren beschloss, auf einem sumpfigen Landstreifen an der Küste eine Stadt aus dem Nichts zu errichten, erntete er viel Skepsis. Seine Vision war eine mediterrane Lagunenstadt, in der jedes Haus einen Zugang zum Wasser hat. Sie sollte sich an Venedig orientieren, aber die Formsprache der Provence aufgreifen. Heute, Jahrzehnte später, gilt Port Grimaud als eine der originellsten Städte der französischen Riviera.
Die Architektur ist bis ins Detail durchdacht: Alle Häuser sind im Stil der regionalen Bauweise gehalten, mit bunt gestrichenen Fassaden, Fensterläden in Pastelltönen und Dachziegeln, wie man sie in der Provence kennt. Es gibt keine Autos im Ortskern, sondern nur Fußwege und Kanäle. Man bewegt sich per Boot, zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Das Stadtbild ist geprägt von kleinen Brücken, schattigen Plätzen und ruhigen Wasserwegen, die sich durch das gesamte Areal ziehen.
Wer Port Grimaud besucht, sollte unbedingt eine Bootstour unternehmen, entweder geführt oder mit einem gemieteten Elektroboot. Vom Wasser aus erschließt sich die wahre Schönheit dieser außergewöhnlichen Stadt.
Ein architektonischer und spiritueller Höhepunkt ist die Kirche Saint-François d’Assise. Sie wurde ebenfalls von Spoerry entworfen und fügt sich harmonisch in das Stadtbild ein. Die farbenprächtigen Glasfenster des ungarisch-französischen Künstlers Victor Vasarely lassen das Licht in intensiven Farben durch das Kirchenschiff tanzen und bieten so ein visuelles Erlebnis der besonderen Art.
Port Grimaud ist jedoch mehr als nur ein architektonisches Experiment: Es ist ein Ort, an dem das südfranzösische Lebensgefühl gelebt wird. Kleine Brasserien und Cafés direkt an den Kanälen laden zum Verweilen ein und sonntags findet ein Wochenmarkt statt, der regionale Produkte in bester Qualität bietet: von Olivenöl über Lavendelhonig bis hin zu provenzalischen Töpferwaren. Es lohnt sich, einfach loszuschlendern!
Tipps für Ihren Besuch in Port Grimaud
Bootstour unternehmen und Port Grimaud vom Wasser aus entdecken
Kirche Saint-François d’Assise besuchen und den Panoramablick vom Kirchturm genießen
Über die Märkte und den Nachtmarkt schlendern
Die detailreichen Trompe-l’Œil-Malereien erkunden
Place des Artisans und Place du Marché mit Blick auf die Wasserstraßen besuchen
Den Tour des Célibataires mit seiner historischen Anmutung entdecken
Das bunte Fischerboot in der Rue du Septentrion fotografieren
Das Wohnhaus von François Spoerry bewundern (besonders malerisch vom Wasser aus)






